Wir alle wissen: zweimal in der Woche sollte man Fisch essen. Warum? Weil Fisch reichhaltig an essentiellen also gesunden Fetten ist (Omega-3-Fettsäuren). Diese sind u. a. wichtig für unsere Herzgesundheit sowie unsere Gehirnleistung. Zudem schmeckt guter Fisch einfach vorzüglich gut. Doch scheint sich Fisch nur positiv auf unsere Gesundheit auswirken zu können, wenn er auch eine hohe Qualität aufweist. Aufgrund der hohen Preissensibilität deutscher Konsumenten sehen sich auch Fischereiprodukte einem Preiskampf ausgesetzt. Was tun die (größeren) Unternehmen folglich um trotz niedrigen Preisen adäquate Margen, welche zur Gewinnmaximierung beitragen, zu erreichen? Na klar: an der Qualität sparen. Aus marketingtechnischer Sicht (zufriedene Kunden) ziemlich kurz gedacht. Doch es funktioniert bei der Masse der Verbraucher. Das Problem dabei ist nur, dass die Konsumenten erstens teilweise schlichtweg getäuscht werden und zweitens sich durch die minderwertige Qualität von Fischprodukten gesundheitlich nichts Gutes tun. Nun stellt dies keine neue Erkenntnis dar. Doch hat sie mich wieder einmal eingeholt als ich vor kurzem die Dokumentation „Rach deckt auf“ sah. In dieser Sendung wurde am Beispiel der häufigsten Krabbenart, Garnelen bzw. Shrimps, höchst prägnant gezeigt, dass wir lieber zweimal als einmal auf die Verpackung von Lebensmitteln schauen sollten.
Büsumer Garnelen – ein regionales Produkt aus dem Norden möchte man meinen. So impliziert es zumindest die Verpackung mit dem entsprechendem Markenlogo. Die Garnelen sehen frisch, rosa-zart und groß aus. Doch auf dem Rückseitenaufkleber kann man nicht eindeutig die tatsächliche Herkunft erkennen. Lediglich „aus zertifizierter Aquakultur“ gibt nebelige Hinweise darüber, dass diese Garnelen, wohl nicht aus dem Nordseemeer stammen. Regionale Fischer sind sich einig: Nordseegarnelen sind ca. dreimal kleiner und weisen keine solch intensive Rosafärbung auf… Aber wo kommen sie dann her, wenn nicht aus Büsum (so wie es auf der Verpackung steht)?
Genau hier startete der unangenehme Teil der Suche nach der Herkunft. Über einen nachverfolgbaren Produktcode wurde herausgefunden, dass die Garnelen in den Niederlanden von Zwischenhändlern verpackt werden… weitere Recherchen vor Ort ergaben dann schließlich die tatsächliche Herkunft der Büsumer Garnelen: Indoniesien, Sumatra. An sich noch nichts schlechtes – bis auf die Tatsache, dass dieses Herkunftsland aus der Verpackung nicht ersichtlich wurde. Versucht da jemand etwas zu verbergen?
Auf einer Reise nach Indonesien wurde dann klar Schiff gemacht was mit den Garnelen passiert – und um es vorweg zu nehmen, ich persönlich werde kein Fischprodukt ohne zertifiziertes Siegel wie MSC o. Ä. mehr kaufen… denn die Garnelen kommen von einem der größten Aquakultur-Unternehmen der Welt: CP Prima. Nun schwingt in dem Wort „Aquakultur“ nicht zwingend etwas unangenehmes mit, weshalb es auch auf der Verpackung stehen kann. Aber Aquakultur steht für nichts anderes als durch Chemie angereicherte (meist ungesunde) Züchtung. Wie ungesund zeigt der Vergleich zwischen traditionellen und industriellen indonesischen Garnelenfarmen. Traditionelle kleine Farmen arbeiten zu 75% natürlich und zu 25% mit Chemie. Die Chemie sind konkrete Zusatzstoffe, die das Plankton in den kleinen Becken zum Wachsen bringt, so dass die Garnelen / Shrimps ordentlich Nahrung bekommen. Man sieht also, ganz ohne Chemie scheint es vielerorts heutzutage nicht mehr zu gehen – will man wirtschaftlich arbeiten.
Aber was der Unterschied zwischen traditioneller und industrieller Zucht in der „Ernte“ bedeutet, hat mir persönlich die Sprache verschlagen. Halten Sie sich fest: die traditionelle Herstellung bringt auf einem Hektar Fläche ca. 200 kg Garnelen (Ein Hektar sind 10.000 Quadratmeter, also eine Fläche von 100 mal 100 Meter, was ca. der Größe eines Fußballfeldes entspricht). Hört sich noch nicht so viel an. Doch jetzt kommts: Bei industrieller Herstellung beträgt die gezüchtete Menge an Garnelen auf einem Hektar Fläche unglaubliche 12.000 kg, also 12 Tonnen!!! Auf industriellen Garnelenfarmen wird also der 60-fache Ertrag im Vergleich zu traditionellen kleinen Farmen erzielt! … Das ist schlichtweg beeindruckend. Doch wie gelingt es den Farmern genau diesen Output zu erzielen?
Die Antwort ist einfach und erschreckend zugleich: mit Chemie. Die industriellen Farmen sind hermetisch abgeriegelt, weder mit Moped noch Schiff ist ein Herankommen möglich. Nur über den vertrauensvollen Zugang durch lokale Arbeiter hatte das Team es geschafft dort hereinzukommen. Einmal drin, erblickt das Auge ein Wasserbecken am Anderen, umgeben von Dreck und keinem Grün (was zumindest etwas Natur bedeuten würde). Man sieht Maschinen, die Sauerstoff für das Wasser produzieren, da die Becken soweit entfernt von Natürlichkeit sind, dass die Tiere ohne Maschinen nicht lange überleben würden. Man sieht Chemieabwasserbecken, welche über anliegende Flüsse ins Meer laufen und somit ein Beleg dafür sind, warum wir es heutzutage mit gestiegendem Fischsterben zu tun haben. Aber welche Chemie wird denn nun für die Garnelenzucht genau verwendet? Nun, hier handelt es sich im Wesentlichen um:
- Wachstumsbeschleuniger (ermöglicht einen höheren Produktionsdurchsatz),
- Antibiotika (damit die Garnelen nicht krank werden – Antibiotikarückstände bleiben in deren Körper, welche wir über unsere Ernährung aufnehmen und unsere Krankheitsresistenzen schmälern da unsere Körper sich an Antibiotika gewöhnen) und
- Fischgift (Fische möchte man nicht im Garnelenbecken. Deshalb werden die toten Fische nach der „Bereinigung“ aus dem Wasser entnommen – und das Beckenwasser danach mit noch anderer Chemie künstlich gereinigt…)
Ich finde das ziemlich bedenklich und möchte hiermit darauf aufmerksam machen. Schauen Sie ruhig öfter auf die Gütesiegel auf den Verpackungen und prüfen Sie, welche Siegel für nachhaltige Fischerei garantieren, also gegen die Überfischung der Weltmeere kämpfen. Zum Beispiel MSC – „Marinestewardship Council oder FOS – „Friend of the Sea“. Auch wenn eine Geomar-Studie aus dem Jahre 2012 zu dem Schluß gekommen ist, dass Konsumenten keinem Fisch-Siegel hundertprozentig vertrauen können. So ist die Wahrscheinlichkeit einen gesunden, nachhaltigen gefangenen Fisch genießen zu können, mit Siegel dennoch höher als ohne. Zudem ist die ausgelobte regionale Herkunft des Produktes bei Vorhandensein eines anerkannten Siegels potenziell eher korrekt, da das Unternehmen wahrscheinlich grundlegend ehrlicher operiert. Insofern wünsche ich gewissenhaften Fischgenuss.




